Zertifikate oder Investementfonds?

Waage - Zertifikate und Investmentfonds
In letzter Zeit habe ich wieder von vielen Seiten gehört, dass Banken verstärkt Zertifikate vertreiben. Was ist von der Entwicklung zu halten?

Zunächst einmal eines vorweg. Wie man bei Lehman schmerzlich erfahren musste, unterliegen Zertifikate einem Emittentenrisiko. Das wird in der Regel nicht zum Tragen kommen, sollte aber immer im Hinterkopf bleiben. Investmentfonds sind Sondervermögen und sind im Falle einer Insolvenz der depotführenden Bank vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters geschützt.

Während Investmentfonds von einem Fondsmanager verwaltet werden, der eine klare Strategie verfolgt, hängen die Erträge von Zertifikaten stark von den zugrunde liegenden Basiswerten und deren Entwicklung ab. Dies macht es für Anleger schwierig, den Überblick über ihre Investitionen zu behalten. Da dieses Szenario mit den aktuellen Konditionen nur für eine kurze Zeit aufrechterhalten werden kann, kommen im Zeitablauf immer neue Ausführungen je nach Marktlage zu unterschiedlichen Konditionen an den Markt.

Kann man durch die Zusammenstellung von Investmentfonds, bei eventueller temporärer Anpassung ein breit diversifiziertes Portfolio mit einem vernünftigen Rendite-Risiko-Verhältnis zusammenstellen, so ist diese bei der Zusammenstellung von Zertifikaten deutlich schwieriger zu erreichen.

Die Konstruktion von Zertifikaten ist oft komplex und wenig transparent. Dies bringt sowohl für Anleger als auch für Berater deutliche Nachteile mit sich. Wer erinnert sich nach mehreren Jahren noch an die genauen Bedingungen, zu denen ein Zertifikat ge- oder verkauft wurde? Dies bedeutet, dass Berater sich für jedes Kundengespräch neu in die jeweiligen Zertifikate einarbeiten müssen. Im Gegensatz dazu können sie bei Investmentfonds leicht nachvollziehen, warum ein Fonds erfolgreich oder weniger erfolgreich ist, da die Strategie des Fonds klar dokumentiert ist.

Zertifikate sind teilweise auf kurzfristige Spekulation ausgelegt und haben in der Regel ein Verfallsdatum. Dies bietet Beratern die Möglichkeit, bei jedem Verfall neue Emissionserlöse zu generieren. Das muss bei Investmentfonds nicht der Fall sein, da ein langfristiges Halten der Position oft Sinn macht.

Wenn ein kurzfristiger Verkauf erforderlich ist, sind Fonds in der Regel sehr liquide, während Zertifikate manchmal mit eingeschränkter Liquidität konfrontiert sind.  Dies kann für Anleger problematisch sei, die schnell auf Marktveränderungen reagieren möchten.

Warum werden Zertifikate verkauft? Die Nachteile, insbesondere die hohe Komplexität und die daraus resultierende geringe Effizienz in der Beratung, können in der Regel nur durch attraktive Erträge für den Verkäufer kompensiert werden. Anleger sollten sich dieser Risiken bewusst sein und sorgfältig abwägen, ob sie in Zertifikate investieren möchten.

Anke Hölscher

Stefan Hölscher
Kategorien: Allgemein
3. August 2026